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Katja beim Ironman 70.3 in Rapperswill

verfaßt am: 10. Juli 2010

70.3 Ironman Rapperswil - Das erste große Event von dreien in diesem Jahr steht an. Freitag, am frühen Nachmitttag machen Tino und ich uns auf den Weg in Richtung Zürichsee, ca. 700 km liegen vor uns.

Es dauert nicht lang und wir stehen bei Weißenfels im Stau, na das kann ja heiter werden. Es geht aber dann doch recht zügig voran, so dass wir nach 7h Fahrt in Dübendorf bei Giant und seiner Lebensgefährtin Claudia eintreffen. Martin, der schon da ist, hatte Giant letztes Jahr bei seiner Kilimanjarobesteigung kennengelernt. Er ist Banker und war so gastfreundlich, uns drein für das Wochenende Unterkunft zu gewähren. Sein Haus ist dann auch sehr nett und sehr grün in der Nähe von Zürich gelegen.

Wir schwatzen noch eine Weile und gehen dann, es ist eine laue Sommernacht, eine Runde ums Viertel. Man hat durchaus den Eindruck, dass es den Leuten hier gut geht, aber wir sind hier ja auch in der Schweiz.

Am Sonnabendmorgen treffen Martin, ich und Giant uns um acht zum laufen. Es ist bereits jetzt schon sehr warm, so dass die sogenannte Vorbelastung auch nur eine halbe Stunde dauert. Die Laufstrecke am Fluss entlang Richtung See ist top. Begleitet werden wir vom Giants Sohn und dem Sohn von Claudia auf dem Fahrrad. Danach gibt es erstmal ein leckeres Frühstück bevor wir uns gegen 11 Uhr in Richtung Rapperswil aufmachen. Bis dahin dauert es ca. 40min. Wir besuchen die Sportmesse, wo ich erstmal für "Eventandenken" ein wenig Geld lasse. Dann besichtigen wir die Schwimmstrecke. Der Zürichsee ist natürlich traumhaft gelegen, eine super Location. Dann holen wir unsere Startunterlagen und checken die Räder ein. Diesmal gibt es einen schönen kleinen Bikerucksack. Verena, die in die Schweiz gezogenen Berlinerin, die wir vom Trainingslager aus Mallorca kennen, treffen wir dort und machen nach der Wettkampfbesprechung mit ihr und ihrer Freundin noch einen Spaziergang Richtung Rapperswiler Schloss und besichtigen schon mal die 66 Treppen die zum Schloss hinaufführen. Diese Treppen werden nämlich morgen zweimal Bestandteil unserer Laufrunde sein - natürlich hochzu.

Dann geht es wieder zurück. Es ist sehr sehr warm und man muss echt aufpassen, dass man sich nicht schon heute platt läuft. Spätestens seit Abholung der Startunterlagen steigt die Nervosität. Am meißten macht mich nervös, dass Temperaturen um die 30 Grad vorausgesagt sind. Das weckt die Erinnerung an Wiesbaden.

Claudia kocht uns für den Abend Spaghettis, Carboloading ist angesagt. Da ich morgen mit der Startzeit 9.00 Uhr die erste von uns drein bin, gehe ich gegen 22.00 Uhr ins Bett, was aber noch nicht heißt, dass ich schlafen kann. Die Nervosität ist wie immer wieder da.

Am Starttag dann dreiviertel 6 aus den Federn und die Wettkampfklamotte an. Mit größter Überwindung würge ich mir zwei Nutellabrötchen rein, dazu noch zwei Tassen Kaffee extrastark. Mit Tino, der eine Stunde später startet gehts dann nach Rapperwil. Martin, der erst 11.00 Uhr startet pennt noch. Der Wechselgarten ist schon ein gigantischer Anblick. Ca. 2000 Räder stehen dort und sind mit einer gelben Plane überstülpt um die Reifen vor der Sonne zu schützen. Soviel Zeit habe ich nicht mehr, also Wechselzone vorbereiten und rein in den Neo. Der passt noch und auch der erste Freiwasserkontakt dieses Jahr ist nicht unangenehm. 5 Minuten nach dem Start der Profis gehen 373 Frauen ins Rennen. Diesmal habe ich mich mittig einsortiert und bereue es sofort. Das ist ein Hauen und Stechen wie ich es noch nicht erlebt habe. Es dauert ziemlich lange bis ich einingermaßen meinen Rythmus finde und ungestört schwimmen kann. Das Schwimmen macht dann sogar Spaß. Die letzten 100m geht es dann in eine kleine Hafeneinfahrt rein, das Wasser wird auf einmal ganz schön grützig und beim Ausstieg stehen wir wadentief im Schlamm. Nichts für ungut, ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich diesmal unter 40min geblieben bin, yipp.

Nun zu meiner Paradedisziplin. Wichtig diesmal ausreichend zu essen und zu trinken und nicht zu überzocken. Schon auf den ersten Kilometern kann ich einige Frauen einsammeln. Nach 10km kommt schon unvermittelt nach einer Linkskurve die erste lange Rampe. Aua, das tut erstmal weh. Am Hang steht eine Kapelle und spielt "Das ist alles nur geklaut" von den Prinzen. Ob die wissen, dass ich aus Leipzig bin? Es ist viel Trubel an der Strecke, besonders am Berg, da gibt es Hexen die Stimmung machen und Bauern die riesige Kuhglocken auf den Schultern tragen. Schon geil hier. Die folgenden 10km geht es dann eigentlich mehr oder weniger nur bergauf. Das ich die Runde nocheinmal zu fahren habe ist nicht gerade motivierend. Nachdem wir das Messegelände fast wieder erreicht haben, dient ein Kreisverkehr als Wendepunkt. Dort muss ich ersteinmal einer Frau ausweichen, die wohl zu schnell unterwegs war und gestürzt ist. Mittlerweile werden wir Frauen auch immer mal wieder von Männern überholt die nach Altersklassen im 20min Abstand nach uns gestartet sind. Insgesamt sind ja hier 47 Nationen am Start und gerade überhole ich einen Mexikaner. Komischerweise fällt mir der Bergabschnitt beim zweiten Mal viel leichter.15km vor Ende gibt es nocheinmal eine Schrecksekunde. Ich habe vergessen Wasser nachzufassen bzw. gedacht es reicht noch, aber die Flasche ist leer. Ich werde nervös und hoffe, dass sich das bei diesen Temperaturen nicht rächt. Ich denke an meine Trinkflasche die in der Wechselzone steht. Nach 2:52 h habe ich den Radsplit beendet. In Anbetracht des Profils nicht ganz schlecht.

Nun zum unangenehmsten Teil der Veranstaltung, das Laufen. Die Sonne prasselt gnadenlos und ich weiß schon jetzt, dass es, trotz Zurückhaltung auf der Radstrecke wieder eine Quälerei wird. Zum Glück gibt es reichlich Wasserstände auf der Strecke. Innerhalb kürzester Zeit habe ich soviele Schwämme verbraucht, dass ich klitschnass bin. Zum Glück habe ich diesmal keine Magenschmerzen. Das macht mir Mut für den Ironman. Zu Beginn der zweiten Laufrunde überholt mich Tino auf seiner ersten Runde. Er meint zu mir, dass ich Glück habe schon eine Runde weg zu haben. Das sehe ich auch so. Auf der zweiten Runde bekomme ich, wie schon in Wiesbaden Krämpfe im rechten Fuß. Ich versuche beim Laufen die Zehen ans Schienbein zu ziehen. Einmal kann ich den Krampf gerade noch so ausbalancieren. Ich muss das nächste Mal bei diesen Temperaturen unbedingt Salz (Natrium) zu mir nehmen. Die letzten hundert Meter liegen im Schatten und ich kann nocheinmal ein wenig beschleunigen und bleibe so unter 5:45h. Von einer Laufzeit unter 2h bin ich ein ganzes Stück entfernt. Aber bei diesen Temperaturen hat wohl jeder Federn gelassen. Zum Schluss bedeutet dies Platz 22 von 75 Starterinnen in meiner AK.

Ich finde im Zielbereich ein schattiges Plätzchen und pfeiffe mir ersteinmal zwei Dosen eisgekühltes Red Bull rein. Das tut gut. Gleich neben der Zieleinkunft gibt es in der Eishalle Verpflegung, Medaille und Finisher-Shirt. Alles vom Feinsten. Auf einer Leinwand kann man die ins Ziel kommenden sehen. Ich frage mich wo Tino bleibt. Er hat heut keinen guten Tag erwischt und macht seine schlechteste Mitteldistanz. Wir warten dann noch auf Martin.

Bis wir geduscht sind, die Räder geholt haben dauert es eine halbe Ewigkeit. Tino hat jetzt noch eine 7 stündige Autofahrt vor sich. Ich beneide ihn nicht. Ich fahre mit Martin nach Dübendorf wo Claudia und Giant für uns grillen. Irgendwie bin ich froh, dass der Tag überstanden ist. Montag früh laufen Martin und ich ein wenig durch Zürich bevor auch wir uns auf die Heimreise machen.

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Viele Grüße Katja