Ironman Schweiz 2009

 

 
Ironman Switzerland – Leila Künzel AK F30

Am Sonntag, Raceday in Klagenfurt und Frankfurt, und für mich ging es nach Zürich. Mit kurzem Zwischenstopp bei meiner Verwandschaft und einer aufregenden Fahrt. Der Liveticker der beiden anderen Rennen lief und die Zeit verging wie im Fluge. An diesem Tag war ich schon sooo aufgeregt, dass ich mich gefragt habe, wie soll ich die Woche bis zu meinem Ironman überstehen? Einige Leute haben super Zeiten geliefert, andere waren weniger zufrieden. Angekommen sind fast alle. 

Und dann stellt man sich selbst die Frage, hab ich wirklich ausreichend trainiert.
Sind ca. 150 Schwimmkilometer, 4000 Radkilometer und 1200 Laufkilometer ab Beginn des Jahres ausreichend? Ändern konnte ich es ohnehin nicht mehr, von daher – Augen zu und durch. Auf den Ironman Switzerland freuen.

Meine Ziele für den 1. Ironman: Ankommen und wenn alles passt unter 12 h bleiben.

Unsere Ferienwohnung war ein wenig außerhalb von Zürich, auch um die Ruhe vor dem Sturm zu genießen. Ab jetzt hieß es, ausruhen, ausruhen, ausruhen. Die Gegend um Zürich war sehr schön, sehr bergig und der See war teilweise richtig warm und an einigen Tagen unglaublich unruhig. Am Dienstag sind wir den steilsten Anstieg der Radstrecke gefahren, dem Hearthbreakhill, und hatten in etwa eine Ahnung, was auf uns zukommt. Wir entschieden uns, den Rest der Radstrecke mit dem Auto abzufahren. Gute Entscheidung. Die ersten 30 Kilometer fangen relativ flach an und gehen dann schön in die Berge rein. War es wirklich eine gute Idee zu wissen wie die Strecke verläuft? Die restlichen Tage wurde auf der Landiewiese (Start- und Zielbereich Ironman) einiges geboten. Ich war das erste Mal im Strömungskanal und bekam ein ziemlich gutes Fazit zu meiner Schwimmtechnik. Ein paar Tipps, wo man noch etwas verbessern könnte und auch das Neoprentestschwimmen war eine Erfahrung. Und ich hab ein neues Neo-Lieblingsmodell gefunden.

Der Bereich um die Landiwiese füllte sich immer mehr und mehr. Überall durchtrainierte Athleten, Zeitfahrräder in High-End-Ausführung, Aerohelme, Scheibenräder… Und die Frage: Was erwartet mich auf der Radstrecke bei all den Athleten die aussehen, als würden sie unter 9 h bleiben. Am Freitag hab ich meine Startunterlagen abgeholt, meine Eltern und meine Oma haben sich mittlerweile auch eingefunden und Samstag wurden die Räder fertig gemacht und in die Wechselzone gebracht. Ich war vor Aufregung müde. Ich hab meine Getränkeflaschen gefüllt, eine ziemlich hochdosierte Mischung mit Carboo4U Wild-Cherry und Wasser. Danach gab es noch Nudeln und zum Glück konnte ich in der Nacht schlafen.

Der Wecker klingelte 3 Uhr morgens. Tag X! Der Tag wofür man das ganze Jahr trainiert hat. Nach einem kleinen Lauf frühstückten wir. Hunger? Um diese Uhrzeit? Wer hat da schon Hunger. Aber es funktionierte. Brötchen mit Nutella und Banane. Um 5 Uhr morgens fuhren wir zum Wechselgarten. Es waren schon recht viele Ironmanverrückte da. In jeder Ecke eine andere Sprache, in jeder Ecke eine andere Hektik. Ich blieb ganz ruhig. Soviel hatte ich gar nicht zu tun. Ich brachte meine Getränke und Verpflegung am Rad an und schaute mich ein bisschen um. Legte meine Wechselsachen zurecht, Helm und Schuhe an die richtige Stelle. Noch 1 h bis zum Start. Einige hatten ihre Neoprenanzüge jetzt schon an. Warum? 6:30 Uhr zogen auch wir unsere Neos an und gingen Richtung Schwimmstart. Auf einmal war die Zeit weg, Start der Profis war 6:55 Uhr und wir hatten gerade noch Zeit um kurz ins Wasser zu gehen und gefühlte 10 m zu schwimmen. Egal. Ich konnte gleich 3,8 km schwimmen. Das wird schon. Als Frauen sollten wir einen separaten Bereich haben, den gab es aber irgendwie nicht. Ich ließ mich davon nicht verrückt machen, woanders gibt es diesen auch nicht. Also Augen zu und durch.

 Als der Startschuss fiel war ich in der größten Waschmaschine der Welt. Die ersten Meter liefen ganz gut, dann war ein ziemliches Schlagen um mich herum. Der eine Herr der neben mir schwamm, hatte einen ziemlich eigenartigen Schwimmstiel und mir verrutschte dadurch die Brille und Wasser lief mir rein. Egal, keine Panik. Brille schnell richten und weiter. Irgendwann musste ich auch mal austeilen, da der Herr immer wieder meine Nähe suchte. Die erste Boje war erreicht, wieder Hände, Füße überall. Nachdem die erste Schwimmrunde fast vorbei war mussten wir in einen kleinen Kanal rein schwimmen. Dieser war für die über 2000 Teilnehmer viel zu klein und ich verlor einiges an Zeit. Einen kurzen Landgang über die Saffainsel und wieder rein ins Wasser. Die zweite Runde verlief besser und schon waren die 3,8 km vorbei und ich befand mich am Schwimmausstieg.

Schnell zum Wechselgarten, den Neopren ausziehen, Helm, Radsocken- und Radschuhe an und ab auf die Radstrecke. Ich ließ es ruhig angehen. Die ersten 10 km fuhr ich mit dem kleinen Blatt und merkte das meine Beine gut in Form waren. Ich bin bewusst ohne Tachometer gefahren, sondern ausschließlich nach Puls um die 160. Am Anfang überholten mich viele Athleten, davon ließ ich mich nicht beunruhigen. Schließlich sind 180 km zu fahren. In den Bergen angekommen überholte ich nach und nach viele Ironmänner und Ironfrauen. Jetzt kam auch Samir an mir vorbei. Nun dachte ich wird sicherlich auch Uwe kommen, doch das dauerte noch... . Die Verpflegungsaufnahme klappte super. Ich ließ mir ausschließlich Wasser reichen und mixte dann meine hochdosierte Wild-Cherry-Mischung dazu. Dazu kamen noch Carboo-Cola-Gels und Riegel und wenn man 4 Wochen fast nichts Süßes ist, freut man sich sogar darauf. Der steilste Anstieg „The Beast“ raubte den Teilnehmern schon ordentlich Körner. Dafür kommt natürlich nach einem heftigen Anstieg auch traumhafte Abfahrten. Was gibt’s schöneres? Die mit schneebedeckten Berge im Hintergrund und schön die Abfahrten runterfahren. Teilweise war leider Triathlonlenkerverbot, aber Sicherheit geht vor. Was nicht ganz so schön war, dass in der Schweiz die Radstrecke nicht vollständig gesperrt werden durfte und so musste ich unter anderem auch ein Bus überholen oder wegen Autos abbremsen. Doch das erging nicht nur mir so, damit mussten alle Teilnehmer „kämpfen“. Ich befand mich mittlerweile auf dem Weg zum Heartbreak Hill, der letzte Anstieg der 1. Radrunde. Den Kilchberg wurde man fast von selbst heraufgetragen. Menschen über Menschen. Überall hörte ich meinen Namen. Ich wusste vorher nicht, was mich erwartet, doch es war toll. Oben empfing mich mein Fanclub mit riesengroßem Plakat, ich musste einfach nur grinsen und hab mich tierisch gefreut. Die zweite Radrunde verlief genauso unkompliziert und schön wie die ersten 90 Kilometer. Die Berge taten ein wenig mehr weh, doch das ist normal. Unterwegs ein paar kleine Unterhaltungen, Wasser mit Wild-Cherry mischen, trinken, essen, essen, essen, alles genießen. Nach 5:34 h war ich wieder im Wechselgarten und nun wartete noch der Marathon.

Laufen - nicht gerade meine Paradedisziplin, von daher ließ ich es locker angehen. Immer schön auf den Puls achten und Verpflegung zu mir nehmen. Ich ernährte mich ausschließlich von Carboo-Gel und Wasser. Als ich an der Powerstation vorbei lief, sagte der Sprecher, dass ich relativ weit vorn im Frauenfeld war und war überrascht das zu hören. Ich schaute das erste Mal auf meine Zeit und dachte meine Uhr ist kaputt. Ich war auf der Laufstrecke und auf meiner Uhr stand eine 8 h-Zeit. OK, ich konnte es entspannt angehen, unter 12 h sind drin. In jeder Laufrunde sah ich meinen Fanclub einige Male. Das tat gut. Bei Kilometer 10 kam Uwe dann an mir vorbei. Später als erwartet. Nach und nach bekam ich für jede der 4 zu laufenden Runden meine Bändchen. Die Zuschauer an der Strecke, die Kulisse des Sees und der Berge ließen vergessen, dass der schwerste Teil des Tages noch auf mich wartete. Kommt der Mann mit dem Hammer noch? Das wichtigste war die Verpflegung, ich nahm an jeder Verpflegungsstelle etwas Gel und Wasser zu mir. Dann bin ich bei Kilometer 30 angekommen. Mittlerweile hab ich viele Athleten gehen sehen und meine Beine wurden immer schwerer. Jetzt hieß es den Kopf manipulieren. Ich sagte mir immer wieder, dafür hast Du Dich bei den langen Läufen nicht gequält, bist nicht im Winter bei minus 20 Grad morgens 6 Uhr laufen gegangen, dafür dass Du jetzt gehst. Und so kam ich Kilometer für Kilometer näher zum Ziel. Noch ein paar Meter.. und ich konnte in die Zielgerade einbiegen. Hier wartete mein Fanclub, unzählige andere jubelnde Menschen und nach 11:19:46 h war ich im Ziel. Jetzt bin ich eine Ironwoman. Glücklich. Benebelt und ziemlich fertig empfing mich eine freundliche Helferin, die mich erstmal ins Sanizelt verfrachtet hat. Mir war ziemlich warm und ich bekam erstmal 2 Infusionen. Nach einer Weile liegen und erholen ging es mir wieder gut. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht und ziemlich schmerzenden Beinen wusste ich: Das war nicht der letzte Ironman!!!

Alles Gute

Leila Künzel