Ironman Klagenfurt 2009

05.07.2009- Ironman Klagenfurt - Wettkampfbericht
Hallo ihr Kämpfer des Ausdauersport´s.

Hier ein kleiner Bericht über den "schönsten Tag im Jahr".

Die Vorbereitungen zum IRONMAN in Klagenfurt liefen bei mir im Gegensatz zu Simona (Drüsenfieber) optimal, kein Trainingsausfall durch Verletzungen oder Krankheiten, Ernährungsverträglichkeit zur vollsten Zufriedenheit meines Magens, eigentlich sollte einer neuen "Weltbestzeit" nichts im Wege stehen, wenn da nicht die hochsommerlichen Temperaturen wären. Aber was soll´s, die anderen müssen ja auch damit klar kommen.
Die Aufregung vor dem Start war schon riesig, von überall strömten früh ab 5:00 Uhr Aktive und Zuschauer zum Startbereich (2.500 Starter) und bevölkerten das Strandbad in Klagenfurt.

Pünktlich um 7:00 Uhr viel der Startschuss, das Wasser des Wörthersees fing an zu kochen, da man die ersten 500 m keine Möglichkeit hatte freies Wasser zu haben ging es teilweise über langsamere Schwimmer hinweg. Nach ca. 1000m hatte sich dann das Feld entzerrt und man konnte ungehindert schwimmen. Die letzten 800 der 3800 m waren dann im Lendkanal, welcher etwa 10 m breit ist und von beiden Seiten sehr stark von Zuschauern frequentiert war.

Nach 1:20 h hatte ich die letzten Meter hinter mich gebracht, griff meinen Kleiderbeutel mit den Radsachen, lies mich noch schnell mit Sonnencreme einschmieren und machte mich auf die bevorstehenden 180 km. Die Temperatur war zu diesem Zeitpunkt schon bei 20°C, 10° sollten noch folgen und dann ständiges bestrahlen von UV-Licht, aber was soll´s, aller 30 km gab es Verpflegungsstände wo man sich, sofern man verträgt, bedienen konnte, schließlich haben wir "Al Inclusive" gebucht. Die Radstrecke teilte sich in 2 Runden mit je 90 km und 800 hm, aber insgesamt gut zu fahren, zumal der Wettkampfasphalt nur für Teilnehmer reserviert war. Es gibt IRONMAN Veranstaltungen wo man sich die Straße mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen muss.

Die erste Runde nahm ich mir vor relativ ruhig zu fahren was ich vom Gefühl und Puls auch umsetzen Konnte. Die ersten 15 km ging es entlang dem Wörthersee überwiegend im flachen Terrain, nach etwa 30 km am Fagersee erwartete uns die erste Steigung von etwa 10 % und 3 km Länge. Dort war natürlich eine super Stimmung, ähnlich der Bergankunft einer Tour de France Etappe. Von Klagenfurt aus gab es hier einen Shuttle Bus der alle 30 min. Anhänger des Triathlonsports ausspuckte. Der nächste größere Anstieg folgte dann nach etwa 60 km, diesmal ein wenig steiler und länger aber auch hier wieder super Stimmung und jeglicher Schmerz in den Beinen ließ nach. Doch war die Stimmung weg merkte man die Schmerzen desto mehr. Also wieder versuchen seinen Rhythmus zu finden und die restlichen 120 km runterspulen. Die Temperatur war nun schon nahe der 30°C und kaum Wolken am Himmel. An den Vepflegungsständen ein erfrischender Wasserschwall über den Körper und schon war es wieder 10 min. erträglich. Einmal reichte man mir anstelle von Wasser eine Flasche mit Isotonischem Getränk welches ich mir unwissend über den Oberkörper schüttete und alles klebte, was soll´s in 30 km konnte ich ja wieder hoffentlich mit Wasser abspülen. Die letzten 40 km machte sich dann auch langsam mein Magen wieder bemerkbar, die bis jetzt verträglichen Mittel wollte er nur wiederwillig behalten. Ein kurzzeitiger Versuch mit Cola brachte auch keinen ausreichenden Erfolg, aber was wollte ich machen, einfach ignorieren und versuchen die Strecke hinter mich zu bringen. Vielleicht ist es nur eine "kleine" Schwelle und der Appetit kommt zurück.

Nach 6:10 h brachte ich die 180 km hinter mich und musste jetzt nur noch 42 km "Auslaufen", reine Kopfsache, Schritte zählen, Zuschauern zulächeln, Hauptsache nicht daran denken was noch kommt. Die ersten 10 km liefen ja relativ gut, doch dann ließ die bisher aufgenommene Energie nach und die Schritte wurden zunehmend kürzer und die km länger. An den Verpflegungsständen immer wieder zu lange Gehpassagen um "in Ruhe" häppchenweise Melone zu schlucken, wenn ich zu früh wieder losgelaufen bin wurde mein Magen wieder belastet und ein Ausbruch war wieder vorprogrammiert. Nach etwa 20 km reichte mir mein Fanclub einen leckeren Pudding welcher einen festen Platz im Magen fand. Die restlichen 22 km war dann mehr eine Achterbahnaktion, mal ging es mir erträglich, mal musste ich Markierungspunkte setzen. Nach etwa 3:30 h Laufzeit wurde die Temperatur von 30°C durch einen abkühlenden Regenschauer angenehmer, aber die Beine waren doch schon zu schwer um die verlorene Zeit wieder wettzumachen. Also versuchte ich meinen Rhythmus zu finden und den Wettkampf mit seiner unbeschreiblichen Atmosphäre und der super Stimmung entlang der Strecke zu genießen. Vielleicht ist dies der Grund, weswegen meine anfänglich vermutete "Weltbestzeit" noch nicht umgesetzt werden konnte. Sollte im nächsten Jahr das Wetter auf meiner Seite stehen so fixiere ich mich dann auf diese und genieße die Stimmung überwiegend erst im Ziel !!

Nach 13:30 h hatte ich dann endlich die Finishline erreicht, ein super Gefühl die letzten Meter zu laufen, alle Qualen, ungezählten Trainingsstunden bei zum Teil unter 0°C, alles ist vergessen, Schüttelfrost überfährt den Körper, tausende Fans jubeln einem zu. Das sind Momente die kann man nicht beschreiben, die muss man einfach selber erleben um es verstehen zu können.

Dann kann man auch verstehen, warum sich trotz dieser Tortouren, am nächsten Tag wieder hunderte Teilnehmer für das nächste Jahr anmelden, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal in der Lage sind ordentlich zu gehen.

Viele Grüße

André Richter